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Krötenkarneval
Markus A. Hediger: Krötenkarneval - Autobiographische Fiktionen
ISBN 978-39523236-5-6, 160 Seiten, Gallimard-Paperback
Euro 14,-
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Der Autor dieser “Autobiographischen Fiktionen”, als Sohn protestantischer Missionare aus der Schweiz in Brasilien geboren und aufgewachsen, wandert nach 17 Jahren Zwischenaufenthalt in der Schweiz wieder nach Brasilien aus. Die Rückkehr ins Land seiner Kindheit weckt Erinnerungen. Es ist ein Wiedereintauchen in eine andere Sprache, ein anderes Land und auch eine Wiedebegegnung mit der starken religiösen Prägung, von der er sich über Jahre in einem nicht schmerzfreien Prozess emanzipiert zu haben meinte. Viele bewältigt geglaubte Konflikte brechen erneut auf, da ihnen am früheren Ort des Geschehens nicht mehr ausgewichen werden kann.
Die neue Geographie, so scheint es, erfordert auch eine neue Biographie. Inspiriert von der Form der bekenntnishaften Kolumnen, die Nelson Rodrigues in den Jahren 1967/68 unter dem Titel “A Cabra Vadia” (Die herrenlose Ziege) in Brasilien veröffentlichte, macht sich der Autor daran, seine Biographie aus den Bruchstücken der Erinnerung zu rekonstruieren. Jedes Erzählen aber, so wird schnell deutlich, ist ein Neuerfinden, die erzählte Person wie auch ihre Biographie letzlich eine Fiktion. Die literarische Figur des Autors in diesem Buch trägt nur zufällig den gleichen Namen wie der Autor.
Leseprobe
Wir langweilten uns
1
Bestimmte Ereignisse müssten sich in unsere Erinnerung mit allen Details einbrennen, und es müsste eine Sprache geben, die lückenlos darüber zu berichten weiß. Manches verdienen wir so zu erinnern, dass wir es nie vergessen. Es war im Jahr 1974, meine Eltern waren außer Haus, in der Kirche bei einer Taufe. Ich sehe mich allein zu Haus, was sicher nicht zutrifft. Meine Eltern waren alles andere als leichtsinnig. Aber irgendwie gelang es mir an jenem Nachmittag, mich unbemerkt in den Garten zu schleichen. Wenig später kletterte ein älterer Nachbarsjunge über die Mauer. Ich sehe mich mit ihm unter einem großen, schattigen Baum. Wir langweilten uns.
2
Wahrscheinlich um meine eigene Schuld an den folgenden Ereignissen zu mindern, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, die sie auslösende Idee dem Nachbarn zuzuschreiben. Einige Wochen zuvor hatten meine Eltern von einer tief im Busch lebenden Familie als Geschenk ein mit einem dünnen Seil an einen hohlen Baumstamm gebundenes Aguti als Geschenk erhalten. Ein seltsames Tier mit geringem Unterhaltungswert für einen Knaben, der damit nichts anzufangen wusste.
3
Meine Vorlieben lagen ganz woanders. Ich liebte das Feuer, und mit dieser Leidenschaft für Flammen erkläre ich mir auch, weshalb ich sofort begeistert war von dem Vorschlag des Nachbarnjungen, das Tier anzuzünden. (Diese ausgeprägte Liebe zu allem Knisternden, Rauchenden, Züngelnden lässt mich jedoch an der Behauptung zweifeln, diese unsägliche Idee sei nicht von mir ausgegangen. Wie auch immer:) Der ältere Freund band das Tier von seinem Baumstamm los, ich holte Kerosin und Streichhölzer.
4
So knapp ich dies hier erzähle, so undeutlich erinnere ich mich an die Details dieser Grausamkeit. Gar nicht erinnere ich mich an das, was folgte, was gefolgt sein musste: daran, wie das Tier in Flammen aufging, wie es – vom Schmerz wild geworden – sich aus unserem Griff befreite und davonschoss. Ich mache mir Vorwürfe deswegen, fühle mich schuldig, weil ich mich an das von mir verursachte Leid nicht in allen Einzelheiten erinnern kann. Ich rieche nicht das verbrannte Fell, sehe das leidende Tier nicht vor mir, höre nicht seine Agonie. Ich weiß nicht einmal mehr, welche Laute ein Aguti von sich gibt. Wäre in der Sprache ein Fünkchen Gerechtigkeit, vergegenwärtigte sie mir jedes einzelne dieser Details.
5
Woran ich mich erinnere: dass ich in dem Moment, da das brennende Streichholz mit dem Kerosin in Kontakt trat, mir der Ungeheuerlichkeit dessen bewusst wurde, was ich da soeben getan hatte. Ich rannte in das Zimmer meiner Eltern, setzte mich auf das große Bett und wartete auf ihre Rückkehr. Es war, so weit ich mich erinnern kann, das erste Mal, dass ich bestraft werden wollte. Ich musste bestraft werden, nicht weil ich etwas Verbotenes, sondern weil ich etwas Ungeheuerliches getan hatte.
6
Wenn ich den Erinnerungen meiner Mutter glauben darf, wurde ich nicht bestraft. Vielleicht, weil ich später mitansehen musste, wie sie Wundsalbe auf die große Fläche weggebrannten Fells auftrug und wie das Tier trotz aller Bemühungen wenige Stunden später starb.
7
Sieben oder acht Jahre später sah sich meine Mutter in einer ähnlichen Situation, wieder mit einer Tube Pomade in der Hand, wieder Brandverletzungen behandelnd. Wieder hatte alles damit begonnen, dass ich alleine Zuhause geblieben war, wieder damit, dass ich meiner Leidenschaft fürs Feuer nicht hatte widerstehen können. Meine Freizeit verbrachte ich oft im Garten, wo ich kleine Lagerfeuer machte und darauf stinkende Suppen in alten Tintendosen kochte.
8
Wenn das Holz feucht war und nicht richtig brennen wollte, schüttete ich etwas Alkohol in die Flammen. Ich hatte zu diesem Zweck eine Technik entwickelt, die darin bestand, die geöffnete Flasche scharf vorwärts zu stoßen, so dass der Alkoholstrahl aus der Flasche hervorschoss und sie verließ, noch ehe der Alkohol auf das Feuer traf. Diesmal aber war die Flasche beinahe leer, so dass dem Strahl der nötige Druck fehlte: Der Alkohol entzündete sich, während er noch aus der Flasche tropfte. Das Feuer flammte in die Flasche hinauf, brachte darin den verdampften Alkohol zur Explosion. Das Feuer schoss aus der kleinen Öffnung, ich sah nur noch Flammen vor meinen Augen, ich warf mich ins Gras, wälzte mich darin, rannte schreiend heim und steckte meinen Kopf in einen Eimer Regenwasser. Bevor meine Augen zuschwollen, überprüfte eine geistesgegenwärtige Nachbarin meine Sehfähigkeit. Sie legte Eis auf und ließ meine Eltern kommen.
9
Wie sich später herausstellte, war vor allem die linke Gesichtshälfte vom Feuer getroffen worden. Kurz nach dem Unfall schwoll sie zur Größe eines Basketballs an und es dauerte zwei Wochen, bis die Schwellung zurückging und ich mich wieder unter die Leute wagte. Das Merkwürdigste aber: die Verbrennung tat nicht weh. Zu keinem Zeitpunkt verspürte ich Schmerzen. Lediglich wenn ich den Kopf senkte und Blut in die Schwellung schoss, klopfte es unangenehm in meinen Wangen.
10
Sprache ist nicht der Detailtreue verpflichtet, sondern dem Vergleich. Sie zieht Schlüsse, indem sie frühere Erfahrungen und angeeignetes Wissen herbeizitiert. Sprache erkennt Gemeinsamkeiten und setzt so verschiedene Dinge in Beziehung zueinander.
11
Sprache verleitet aber auch zu Vergleichen, wo diese ungerechtfertigt sind. Das Aguti ist tot. Ich nicht.
Markus A. Hediger liest aus: “Krötenkarneval” - “Patricia hieß die erste Liebe”
Markus A. Hediger liest aus: “Krötenkarneval” - “Wir langweilten uns”
Die Geschichte des Uhrenträgers
Michael Perkampus: Die Geschichte des Uhrenträgers - Erzählung
ISBN 978-3-9523236-3-2, 140 Seiten, Gallimard-Paperback
Euro 12,-
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Franz-Anton Ketterer, Sohn des genialen Erfinders der Kuckucksuhr, für den Beruf des Uhrmachers zu ungeschickt, soll als erster Uhrenträger der Geschichte das neue Wunderwerk nach Straßburg bringen. Daß so einiges in und um Schönwald im Schwarzwald, dem Ausgangspunkt der Reise, nicht mit rechten Dingen zugeht, wird sehr schnell deutlich. So findet sich zum Beispiel der berühmte babylonische Kaiser Nebukadnezar plötzlich in der Rolle des Dorflehrers wieder, und die etwas ungeschickte Magd Elisabeth erfährt, wie es zugehen kann, wenn man aus heiterem Himmel zum Ideal einer romantischen Liebe erkoren wird. Skurrile Persönlichkeiten, wohin man auch schaut.
Daß die Welt und die Zeit nicht das zu sein scheinen, was man gemeinhin darunter versteht, wird Franz-Anton zum ersten Mal klar, als er, bereits auf dem Weg, einem Zwerg begegnet, der behauptet, die Zeit selbst zu verkörpern. Ebenjener Herr Uhre führt Franz-Anton in das Gehäuse einer Kuckucksuhr. Und was dann geschieht, ist nicht mehr von dieser Welt.
Romantische Liebe, die Entstehung der Kuckucksuhr und äußerst merkwürdige, poetisch höchst verdichtete Geschehnisse sind ein flüchtiger Teil dieser Erzählung, die wie ein Nebel aufzieht und in die Unendlichkeit flieht.
Leseprobe
Ich erkannte vor den Türen die Schatten, ich erkannte hinter den Türen den Staub. Ich blickte durch Fenster der Blindheit und sah sie liegen und atmen, beschienen von einem letzten Glühen der Kohlen, eingewärmt in Bett und Haus. Die Schatten grüßte ich und sprach sie an.
So kamen sie in der Nacht, es war die Mitte durch, ein Glasbett der Himmel; stechend die sternlichternden Augen, ganz finsterlos wurmten sie sich durch die schwarze Wand. Mein Gemüt verband sich mit Nuit, und ich erkannte sie; langsam sie kamen, ich erkannte sie. Die Sehnsucht sucht nachtende Seelen, die Seelen ihren Leib in der Nacht, unterm Mond die Rose, die mit ihrem Rot Löcher in die Dunkelheit sticht, von unten herauf, oben die Sterne.
So standen wir im Licht, diese da und ich, standen und beobachteten uns, wie wir da standen und uns ansahen, ansahen und ansahen. Du bist nicht gegangen. Da kam eine Stimme aus der Menschenhydra, bist nicht gegangen, sagend. Bist nicht gegangen, und nun sind wir gekommen, um nachzusehn, ob du gegangen bist. Bist nicht gegangen, und wir fanden dich. Bist nicht gegangen, und wir töten dich nun.
Ich sagte: Mein Herz kann mehr nicht brennen, alles andere ist nur die Dienerschaft des Herzens. Mein Herz kann mehr nicht brennen, denn es ist bereits entfacht, alles andere ist nur das Gebäude meiner Lust. Verbrennt ihr das Gebäude meiner Lust, wird mein Herz zu bauen beginnen. Das Herz könnt ihr nicht verbrennen, und es wird immer wieder zu bauen beginnen.
Michael Perkampus liest aus der “Geschichte des Uhrenträgers” (Beginn)
Michael Perkampus liest aus der “Geschichte des Uhrenträgers” (Schluss)
Ein anderes Blau
Benjamin Stein: Ein anderes Blau
ISBN 978-39523236-4-9, 116 Seiten, Gallimard-Paperback
Euro 12,-
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In einer Großstadt bricht ein Bus durch die Straßendecke hindurch in einen U-Bahn-Tunnel. Mehrere Menschen sterben. Zwei von ihnen – ein Mann Mitte Dreißig und eine junge Frau – können erst nach Wochen geborgen werden. Unterdessen fristen die beiden eine Existenz in einem scheinbar zeitlosen Reich zwischen Leben und Tod, Träumen und Ahnungen, Tanz und Taumel. Sie finden sich wieder in der dünnen Wand zwischen zwei Wohnungen, einem leeren Raum zwischen zwei fremden Leben, in dem nur sie sich bewegen können. In Enge und mitunter in Furcht versuchen sie, sich noch einmal selbst in die Seele zu gehen und den Abschied hinauszuzögern, den Abschied von ihren Irrtümern und sorgsam verborgenen Gefühlen, liebevollen und erschreckenden Erinnerungen. Und wenn sie auch nicht umkehren können, verändert sich auf dem letzten Stück Wegs doch noch einmal ihr Leben und das der Menschen zu beiden Seiten der Wand – auf magische Weise und unbemerkt vom lebendigen Rest der sie umgebenden Welt.
/Richard/ “Im Café ‘Kastanie’, sicherlich, verriet ich dich und du auch mich.” Das wirst du mir immer vorsagen, und ich kann nur nicken. Ich nenne dich Julia, auch wenn ich nicht Winston bin und mich vor Ratten nicht fürchte. Jetzt willst du wissen, warum ich das Schweigen erfinden mußte unter dem roten Schirm in der kleinen Passage. Und ich weiß dir darauf doch keine wahrere Antwort als die Erfindung selbst.
Heute bin ich in meinem Korsett aus Beton und Stahl freier als jemals zuvor. Ich sehe das Mädchen, das mich entführt hat, weil ich es so wollte und das gegen die Kälte antanzt mit einer Verführung. Es ist nur ein Aufenthalt zwischen zwei Orten auf einem Bahnhof ohne Gleis. Wenn wir uns langweilen sollten, werden wir sicher zu sprechen beginnen, mit uns, miteinander, mit der Wand oder dem, was dahinter nichts von uns ahnt. Die Zeit wird wie im Flug vergehen, schweben und stehenbleiben, wie es uns gefällt.
Ich kann meinen Kopf zur Seite drehen und mit meinem Blick aus der Wand treten. Ich bin von Frauen umstellt, wirst du sagen. Auch dort sitzt ein Mädchen, das wie du nichts von mir weiß. Sie geht zum Klavier und öffnet den Deckel. Vielleicht will sie spielen, vielleicht nur die Tasten betrachten. Sie könnte ahnen, daß ich ihr zusehe. Aber ich atme nicht einmal und hänge fest in der Wand. Da kann sie nichts hören.
Sie beginnt mit Fingerübungen. Das sind erst sehr einfache Figuren für eine Hand, langsam und leise, dann schnellere Reihen mit wechselnden Metren in den Stimmen. Die zweite Hand setzt ein. Sie übt einen weicheren Anschlag, ein stilles Tremolo. Das gefällt ihr: ein Fragen und Antworten mit wechselnden Händen.
Sie verbirgt etwas, doch während sie spielt, kann sie es ganz vergessen. Oder sie gräbt es ein oder wirft das Geheimnis wie einen Ball von einer Hand in die andere und hofft, der Jongleur in ihr weiß, was er will, und hat die Übung gut gelernt und läßt den Ball nicht fallen.
Ich kenne das Stück. Hanna hat es so oft gespielt, daß ich jeden Ton an seinem Vorgänger erkenne. Sie war ein ehrgeiziges Mädchen mit ruhigen Händen voller Flucht und Kraft. Meiner großen Schwester gehörte der runde Stuhl vor dem Klavier, auf dem man Karussell fahren konnte. Es war ihr Stuhl und ihr Klavier, und sie selbst gehörte nur sich und ein wenig auch mir, aber nur am Nachmittag, wenn sie das große Heft mit der lustigen Schrift aufschlug: Punkte und Bögen und verschlungene Zeichen auf schwarzen Linien.
Ich fand den Namen albern. Béla Bella, habe ich immer gesagt. Sie konnte schon lesen, ich nicht. Vom Titel verstand ich nur Kosmos. Das ist, wo die Sterne sind, hat Hanna gesagt. Er fängt überall an und hört niemals auf. Das hatte sie in der Schule gelernt, sehr geheimnisvoll, weil die Sterne doch nur Musik machten, wenn Hanna auf dem Karussellstuhl saß und das rote Band von den Tasten wischte.
Der Kosmos hat wirklich kein Ende. Als sie das große Heft auswendig spielte, bekam sie ein neues. In der Mitte des dritten Heftes kam ich zur Schule, und vom fünften Heft kenne ich nur wenige Stücke. Sie mochte es nicht mehr, wenn ich ihr zusah. Sie wollte die Sterne für sich und fand es komisch, daß ihr Bruder ihre Hände liebte. Das sechste Heft kaufte sie sich selbst. Das war an dem Tag, als das Klavier aus dem Wohnzimmer fortging. Ich durfte den Stuhl behalten. Sie saß jetzt auf einer Bank, weil sie manchmal vier Hände brauchte und ich zu ungeschickt war, um ihr zu helfen.
Ich habe sie oft besucht, aber in die sechste Halle der Sterne durfte ich nur hinein, wenn sie schon jede Sonne mit Namen kannte und das Buch nicht mehr brauchte, um die Geschichten zu erzählen. Sie hatte viele Hefte, ein ganzes Regal voll. Aber die Sterngeschichten lagen immer auf einem kleinen Tisch neben dem Klavier. Wenn man sie aufschlug, mußte man vorsichtig blättern, sonst fielen sie auseinander.
Einmal schickte sie mich fort. Sie ging im Bademantel durchs Zimmer und hatte getrunken. Sie hatte ganz viele Heftseiten kopiert und aneinander geklebt und zog das Band über den Notenständer, rechts und links auf dem Boden ein weißer Berg voller schwarzer Sterne mit Schweif. Der linke Berg mußte wachsen, bis rechts alles abgetragen war. Die Milchstraße ging mitten durchs Zimmer, mitten durch sie hindurch.
Als sie das Band in den Müll stopfte, waren zwei Wochen vergangen. Ich kann es nicht mehr vergessen, hat sie gesagt: Jetzt fange ich an zu spielen. Wenn du willst, darfst du zuhören.
Lange habe ich geglaubt, was immer sie spielte, wären nur Variationen über einen Ton aus dem »Mikrokosmos«. Davon hatte ich selbst viel in mir. Aber ich konnte nicht spielen. Die Musik fängt erst hinter den Sternen an, davor ist nur Klingeln. Wenn sie mir etwas erzählte, war ich stumm.
So ist es immer geblieben. Ich kann nur hören und sehen und nach einer Hand greifen. Meine Geschichten von Sternen gehören anderen. Ich selbst habe nichts. Ich bin der Dieb unter euch und stehle mit Augen und Ohren, jeden Ton, jede Geste und am Ende das Herz.
Phantastisch in Form und Inhalt, will diese Reihe zeigen, wie man ungewöhnlich erzählt. Grenzen existieren hier nicht mehr. Die Prosa-Inseln tasten sich in ein neues Erzählen vor, das abseits jeglicher Strömungen existiert.
Die Bücher werden als laminiertes Paperback im klassischen Format der früheren Gallimard-Taschenbücher produziert. Sie sind lieferbar innerhalb von zwei Tagen direkt über den Verlag, über den Buchhandel oder über Online-Versender wie bspw. amazon.de.
Markus A. Hediger: »Krötenkarneval« (Autobiographische Fiktionen), 2008
Michael Perkampus
Michael Perkampus wurde am 2. April 1969 im Fichtelgebirge geboren. Sein ununterbrochenes Erforschen des Unterbewußten brachte ihn zum Surrealismus, mit dessen literarischen Formen er experimentierte und die er für seine poetische Arbeit wieder verwarf. Neue Ausdrucksformen suchte er im Magischen Realismus so wie im lateinamerikanischen offenen Romansystem. Über die postmoderne Philosophie kam er schließlich wieder zu seiner ureigenen Romantik zurück, die er seitdem mit der »Sublimierung« verschiedener und für das, was ausgedrückt werden soll, jeweils wechselnder Stile anreichert. Sein Werk bezeichnet er als »Labyrinth« und ständig in Bewegung. In seiner Lyrik wie in seiner Prosa kommen stets thematische »Kreuzungspunkte« zum Tragen: Städte, Figuren, Objekte - in einem phantastischen Reigen der Form wie des Inhalts begriffen und kreisend um die Themen der Suche, der Wanderung und der Liebe, wie es so typisch für die romantische Epoche war. Doch Perkampus ahmt nicht nach, sondern führt sublim Regie und erforscht jederzeit den Gegenstand der Sprache selbst, die er nicht als Instrument sondern als Organ begreift, mit dem er die Wirklichkeit durchdringt.
Michael Perkampus betreibt das literarische Weblog »p.-s Veranda«. Sein literarischer Podcast »Pod-z-Blitz« erscheint ebenda.
Markus A. Hediger
Markus A. Hediger wurde 1969 in Schaffhausen geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er in Brasilien. Nach dem Abitur in São Paulo studierte er Germanistik und Theologie an der Universität Zürich. Auf das Studium folgten lehrreiche Jahre in der Bank- und Versicherungsindustrie. In seiner literarischen Arbeit kommt immer wieder ein tiefes Misstrauen gegenüber der Sprache als Trägerin der Wahrheit zum Ausdruck. Sprache, sagt er, spricht nicht die Wahrheit. Sprache formt sie. Hediger glaubt an die Macht der Fiktion und ergründet sie mit Vorliebe in kürzeren Prosatexten. Seit November 2007 lebt er wieder in Brasilien.
Markus A. Hediger betreibt das literarische Weblog »Hanging Lydia«. Er ist Gründer und Mitherausgeber der deutschen Literaturzeitschrift »spa_tien« sowie der brasilianischen Literaturzeitschrift »e_spaços«. Sein literarischer Podcast erscheint auf »SkyRadio«.
Benjamin Stein
Benjamin Stein wurde am 6. Juni 1970 in Berlin (ehem. DDR geboren). Er veröffentlichte seit 1982 Lyrik und Kurzprosa in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien. Nach dem Abitur arbeitete er bis zur Wende als Nachtpförtner in einem Altenheim. Ein späteres Studium der Judaistik und Hebraistik brach er ab. Der Roman »Das Alphabet des Juda Liva« erschien 1995 im Ammann Verlag (Zürich) und als Taschenbuch 1998 bei dtv (München). Es folgten journalistische Arbeiten als Redakteur und Korrespondent diverser deutscher und amerikanischer Computerzeitschriften. Seit 1998 arbeitet er freiberuflich als Berater im Bereich der Informationstechnologie. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in München. Seine Lyrik und Prosa wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. 1996 mit dem Förderpreis Literatur des Bundes der deutschen Industrie. Benjamin Stein ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift spa_tien und betreibt das literarische Weblog »Turmsegler«.
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Veranstaltungen
Für Herbst 2008 planen wir eine Reihe mit Lesungen in Deutschland und in der Schweiz. Details werden so bald als möglich an dieser Stelle bekanntgegeben.
Phantastisch in Form und Inhalt, will diese Reihe zeigen, wie man ungewöhnlich erzählt. Grenzen existieren hier nicht mehr. Die Prosa-Inseln tasten sich in ein neues Erzählen vor, das abseits jeglicher Strömungen existiert.
Die Bücher werden als laminiertes Paperback im klassischen Format der früheren Gallimard-Taschenbücher produziert. Sie sind lieferbar innerhalb von zwei Tagen direkt über den Verlag, über den Buchhandel oder über Online-Versender wie bspw. amazon.de.
Prosa — Hardcover
Eine Hardcover-Reihe für umfangreichere Prosa-Werke befindet sich derzeit in Planung.
Lyrik — Hardcover
Eine Hardcover-Reihe für Lyrik befindet sich derzeit in Planung.
Autorenverlag der Neuen Moderne
Als Gaston Gallimard 1911 aus der drei Jahre zuvor geschaffenen Zeitschrift Nouvelle Revue Française seinen legendären Buchverlag formte, war er umgeben von Beratern wie André Gide. Es war eine kleine Gruppe von Freunden, die sich für Bücher und für Literatur interessierten, und weil sie fanden, dass andere Zeitschriften nicht freundlich genug über das sprachen, was sie liebten, gründeten sie 1908 eine eigene.
Nach zwei Jahren genügte ihnen die Zeitschrift nicht mehr, und 1911 kam es zur Gründung eines kleinen Verlags. Heute kann man die Edition Gallimard durchaus als den Louvre der Bücher bezeichnen. In Anlehnung an die Zeiten der beginnenden und sich rasant entwickelnden Moderne, die Bohémiens, das Paris der 20iger Jahre, aber auch mit Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen, die sich in Massenproduktion und Beschneidung äußert, ist es ein Anliegen weniger Literaturliebhaber, da man diesen eingeschlagenen Weg nicht rückgängig machen kann, ihn zumindest nicht mit zu gehen.
Die Hinwendung zu einer »neuen Literatur« hat stets einen internationalen Charakter, das ist heute nicht anders als in der Vergangenheit. Die großen Literaturmetropolen wie Paris oder Buenos Aires fehlen der Welt schmerzlich. Jedoch ist es nicht ratsam, an den Errungenschaften der Moderne einfach nur festhalten zu wollen. Um in ihr bestehen zu können, muss man sie als Entwicklung betrachten, so wie die verschiedenen Epochen immer nur »Entwicklung« waren. So gesehen wird sich nur eines nicht ändern: die Liebe zur Sprache selbst, die Hingabe an das Medium Buch, dem so oft schon das Ende prophezeit wurde, wie keinem anderen Medium auf der Welt.
Die Medienlandschaft hat sich in der Tat verändert, Informationen verschwinden im Sand der Zeit, ein Wort, über das man lange nachdenken könnte, wird schnell vergessen. Und doch gibt es sie: die Dichter und Visionäre, wie man sie zu allen Zeiten finden konnte, immer in ihrer Zeit beständig - und deren Leser, auf der Suche nach ihren Dichtern, die ihnen Wege der Wahrnehmung weisen, ihnen neue Ausdrucksmöglichkeiten bringen.
Die Initiatoren der Edition Neue Moderne fassten den Entschluss, im deutschsprachigen Raum eine Nische einzurichten, in der die Welt wieder zu atmen lernt und neue Literatur - ganz abseits von Markt- und Geschäftsüberlegungen - noch immer (und wieder) als Buch zum Leser findet.
Dass uns dies möglich ist, verdanken wir neuen politischen Entwicklungen und Technologien. Das europäische Gesellschaftsrecht ermöglicht es, eine Kapitalgesellschaft dort zu gründen, wo die Gründung mit geringstmöglichen Kosten und ihre Führung mit minimalem administrativen Aufwand möglich ist.
Breitbandigen Internetverbindungen verdanken wir es, dass wir auf teure Geschäftsräume verzichten können. Die Büros sind immer dort, wo ein Autor oder Mitarbeiter seinen Laptop öffnet, wo auch immer auf der Welt das sein mag. Dank digitalem Druck schließlich ist heute auch die Realisierung hochqualitativer Kleinauflagen nur noch eine Frage überschaubarer Investition. So wird die Edition sich den Luxus erlauben, einzig und allein auf das literarische Format eines Textes zu schauen, wenn entschieden wird, ob er als Buch in der Edition präsentiert wird oder nicht.